Warum man eigentlich keine Angst vor einer Texterin haben muss

Christin: Ich werde niemandem die Geschichte erzählen, wie du dich hochrotverknallt in einen Siebtklässler auf die Toilettenschüssel im Jungsklo gestellt hast, mit einem Fotoapparat und wild entschlossen, im entscheidenden Moment abzudrücken.

Alex: Es wird niemals jemand herausfinden, wer auf der großen Sommerparty in Tinis Haus in die Schublade vom Nachtschränkchen ihrer Mutter gebrochen hat. Es kam ja auch erst Wochen später heraus, als der Geruch im Schlafzimmer ihrer Eltern unerträglich wurde und sie auf Spurensuche gehen mussten.

Suse: Es werden weiterhin alle glauben, du hättest dir den Ellenbogen beim Skifahren gebrochen und  wärst nicht bei einem unglaublich dummen Manöver stehend von deinem Fahrrad gefallen.

Christian: Ich lasse Christin, Suse, Alex und all die anderen weiterhin in dem stolzen Glauben, du hättest neulich beim Halbmarathon an der Warnow heldenhaft ein Kind gerettet. Du erreichtest tropfend als letzter das Ziel und warst in Wahrheit nur über deine eigenen Füße gestolpert.

Wie kommt ihr darauf, dass das irgendjemanden interessieren könnte und ich diese Geschichten vollkommen Fremden erzähle?
Vielleicht weil….

Nadine: Erinnerst du dich noch, als wir in einen Club wollten und eine große Menschenschlange uns den Weg versperrte? Ich glaube selbst der Türsteher am anderen Ende konnte hören, wie du riefst: „Lasst uns durch, sie ist Geisteswissenschaftler“.
Was ich damit sagen will? Die beiden Welten von Schreibenden und nicht Schreibenden harmonieren durch friedliche Koexistenz miteinander:
Leben und leben lassen 🙂

Katrin Winkler