Meckel

5. Februar 2014

Ich habe Christoph Meckel genau so entdeckt, wie man einen großen Autor entdecken sollte: In einer Wühlkiste unter einem Berg anderer Remittenden sich zwischen Ratgebern zur erotischen Lebensbewältigung und Kochen mal ganz anders. Mittlerweile steht jedes seiner Bücher auf Augenhöhe in meinem Bücherregal. Ich finde, jeder sollte mindestens einen Meckel in seinem Haushalt haben. Poetische Verzauberung mit jedem Wort.

Ich möchte so gern mit Dir nach San Francisco fahren, chinesische Zeitungen lesen, die Seehunde bellen hören und mich mit dir auf der Himmelfahrtsbahn fotografieren lassen. Denkst Du noch an das Haus in Bercy-les-Landes und an die vielen Schuhe im Flur? Die Fahrräder im Anbau, der Autofriedhof neben dem Schloss, die Sommernachtsfrösche im Wasserbassin und die vielen, nach Staub und Jod riechenden Brennesseln dort? Und die Nacht als wir aufwachten, weil es zu regnen anfing, und du ranntest barfuß die dunkle Treppe hinunter und hinaus in den Regen, weil wir vergessen hatten, das Autodach zuzumachen. Aber es war schon zu spät, der Vordersitz triefnaß, die Zeitungen und Landkarten aufgeweicht. Und wie du naß zu mir in das Bett zurückgekommen bist! Und als wir zum ersten Mal nach Tagen wieder Zeitung lasen im Café an der Küstenstraße, im heißen hitzigen Wind mit dem vielen Staub, aber wir blieben vorm Café sitzen und lasen Zeitung, jeder die Hälfte, und die Seiten flatterten über die Hände und ließen sich nicht mehr richtig zusammen legen. Dann flog die halbe Zeitung weg und du ranntest hinter den Seiten her über die Straße, ein Lieferwagen stoppte im letzten Moment, und du ranntest ziemlich weit auf den Strand hinaus und kamst mit zerknüllter Zeitung ins Café zurück und warst fast beleidigt, weil ich lachte.

[Christoph Meckel. Licht]